Christo ohne Glanz

Christo ohne Glanz, Kopenhagener Straße 46 Hofansicht

Blickdichte Verpackung ohne künstlerischen Mehrwert kann der kunstinteressierte Berliner gerade in der Kopenhagener Straße 46 im Prenzlauer Berg bewundern.

„Die ganze Kunstgeschichte hindurch haben Stoffe und Gewebe die Künstler fasziniert. Von den ältesten Zeugnissen der Bildenden Kunst bis hin zur Kunst der Gegenwart ist die Struktur von Stoffen – Faltenwürfe, Plissees, Draperien – ein bedeutender Bestandteil von Gemälden, Fresken, Reliefs und Skulpturen aus Holz, Stein und Bronze. Die Verhüllung des Reichstags folgt dieser klassischen Tradition. Stoffbahnen – wie die Kleidung oder die Haut – haben etwas Zartes und Empfindliches, sie verdeutlichen die einzigartige Qualität des Vergänglichen.“ ( http://www.stiftung-doku-verhüllter-reichstag.de/kunstwerk.html am 21.03.2014)

Anders als beim hier beschriebenen Reichstagsprojekt von Christo und Jean Claude wurde dieses Gewebe ohne pro und contra – Debatte und ohne demokratische Abstimmung mit den Nutzern des Hauses beschlossen und angebracht. Diese Verpackungskunst nimmt den Bewohnern die Sicht. Das Leben in der „Gerüstbekleidung“ erinnert leider mehr an verbundene Augen und das dumpfe Gefühl in Gummihandschuhen als an neu geschaffene künstlerische Blickwinkel.

schreibt Elke Neumann, Kunsthistorikerin und ehemalige Bewohnerin der Kopenhagener Straße 46

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