Ein sehr gutes Angebot

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Am 16. September fand am Landgericht Berlin die Berufungsverhandlung zur einzigen einstweiligen Verfügung gegen die blickdichte Plane statt (alle anderen von uns angestrengten Verfahren, waren in voriger Instanz abgewiesen worden. Die Mieterinnen und Mieter dieses Hauses leben mit ihren Kindern seit über 6 Monaten hinter eine blickdichten weissen Plane. Gesundheitsschädigungen, von Angstzuständen bis Atemwegsbeschwerden sind die Folge. Die Fassadenbauarbeiten, angekündigt für 60 Tage, sind bereits abgeschlossen. Keine Bauarbeiter zu sehen.).

Wer nun denkt, bei Gericht wird darüber verhandelt, ob so ein Vorgehen gut und richtig, vertretbar oder zu unterbinden sei, der hat sich geeirrt.

Nein, es wird nicht über die Plane gesprochen/verhandelt! Photos werden nicht angesehen, die Richterin hält sich nicht mit der Sache auf! Nein!

Die Richterin und der Anwalt der Eigentümerin halten das unterbreitete „Angebot“ einer Abstandszahlung für ein sehr Gutes!

“ —Haben Sie sich das gut überlegt, dass das Angebot für Sie nicht in Frage kommt..“

„…Das Angebot des Eigentümers steht nur heute, zu einem späteren Zeitpunkt sicher nicht mehr!…“

„…bedenken Sie doch, da steht ja noch eine fristlose Kündigung im Raum…“

ahh ja, die fristlose Kündignug…

Pünktlich, sechs Tage vor dem Gerichtstermin, wird der Mieterin eine fristlose Kündigung zugestellt. Sie soll Planen gestohlen haben. Die Person, auf die sich die Anschuldigung stützt, ist nicht ein zweites mal bereit, das auszusagen. Es sind polnische Bauarbeiter, die im Haus wohnen, und freundlich formuliert: rudimentäres Deutsch sprechen. Zum massgeblichen „Tatzeitpunkt“ war die Mieterin belegbar nicht da, die Planen waren es jedoch.

Die Mieterinnen und Mieter, die bisher in der Öffentlichkeit für unser Haus aufgetreten sind, werden nun durch fristlose Kündigungen versucht einzuschüchtern.

Die Vorwürfe, die ihnen gemacht werden (Diebstahl von Planen), sind allesamt nicht belegbar oder haltbar.

 

„…ein sehr gutes Angebot…“

 

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Leben hinter der Plane 

 

Noch mal zur Erinnerung: am 01.03.2014 rüstet die Optimus 3. Projekt Gesellschaft mbH (mit alleinigem Geschäftsführer Wulf Christmann) das Haus in der Kopenhagener Straße 46 ein. Unmittelbar nach Aufstellung des Gerüstes wird das Haus in eine blickdichte weisse Plane verpackt.  Zeitgleich erhält ein Haus ein paar Straßen weiter die gleiche Behandlung – der Slogan „Werte schaffen, Werte erhalten“ – bleibt uns zum Glück erspart.

Hinter der Plane in der Kopenhagener Straße 46 verschwinden die Mieter aus 21 bewohnten Wohnungen im Schneegestöber aus weissem Plastik.

Von der Eigentümerin sind Fassadendämmmassnahmen für einen Zeitraum von 60 Tagen angekündigt. Die Plane wird zur Sicherheit der Umwelt angebracht.

Das Bauamt findet die Plane gut: „So gut eingeplant sehen wir die Baustellen selten. … sehr guter Schutz für die Umwelt“

Die Politiker: „.. hier wird entmietet, das sieht doch ein Blinder..“

Freunde: „…das glaube ich nicht..“

Nachbarn: „…haltet durch!“

Bezirk: „…uns sind die Hände gebunden…“

Presse: „…Skandal..“

die Feuerwehr: „…Hm. Das Bauamt ist zuständig.“

und da gehts wieder von vorne los.

Einige Mieter des Hauses versuchen, eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Mitte zu erwirken. Die Plane soll durch eines der sonst üblichen Baunetze ersetzt werden. Die Eigentümerin weigert sich.

Mehrere Verfügungen werden auch im Widerspruch abgewiesen. Einer einzigen wird im Widerspruch statt gegeben. Die Eigentümerin lüpft die Plane im Erdgeschoss vor den Fenstern einer Wohnung und gehen in Berufung (also eine höhere gerichtliche Instanz soll sich noch einmal damit beschäftigen).

Langsam beginnen auch Bauarbeiten. Manchmal  kommen zwei Bauarbeiter (die sich immer durch die Plane anschreien müssen). An manchen Tagen sind sie ab mittags zu fünft. Dann ist für eine Woche niemand zu sehen. Es wird klar, dass sie hier nicht vorhaben, eine Arbeit fertig zu bekommen. Können sie auch nicht, da die meisten Mieter die Modernisieungsmassnahme „Erneuerung der Fenster“ (dreifach Schallschutz im zweiten Hinterhof, Merantiholz=Tropenholz ) nicht zugestimmt haben und nun auf Duldung verklagt werden. Die Prozesse laufen, wenn die Mieter nicht die „guten Angebote“ angenommen haben.

 

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Auf dem Balkon

 

 

Was wird gebaut?

Die Fensterlaibungen werden abgeschlagen,

Fensterbretter entfernt.

Fensterlaibungen werden mit Zementputz angeputzt.

Fensterlaibungen werden abgeschlagen.

Styropor wird angeklebt.

Verschmiert, geschliffen. Fertig. Pause.

Lange Pause.

 

Kopenhagener Straße 46

Kopenhagener Straße 46, Blick aus dem Balkonfenster

 

 

Inzwischen: Staub, Lärm, Dreck, „kommunizierende“ Bauarbeiter, Staub, Planenrascheln, Sonne?-Schneegestöber! Die Kastanie im Hof muss in diesem Jahr ohne unsere Blicke aus dem Fenster auskommen. Fliegt die Fledermaus noch? Rsch, Rsch,  die Plane raschelt. Regnet es? Menschen reden, sind sie auf dem Gerüst, wer steht jetzt vor meinem Fenster? Wer ruft im Hof? Rattert die Müllabfuhr mit den Mülltonnen, oder räumt jemand alle Fahrräder im Hof in den Container? Weiss. Ich mache das Licht an. Es ist 3 Uhr nachmittags. Sommer.

Bauarbeiter laufen geräuschvoll auf dem Gerüst an meinem Fenster vorbei.

Der „Hausmeister“, der König der Strassen-und Hoffeger, kehrt den sauberen Hof. Rsch, Rsch, Bsch, Bnsch.

 

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Innenansicht: Blick aus dem Kinderzimmerfenster

 

Herzrasen. Jucken auf der Haut. Ausschlag, Schlaflosigkeit, Atemnot, Angst.

Sie halten es nicht mehr aus, haben keine Wahl, verlassen ihr zu Hause.

 

Rsch, Bsch, die Plane rauscht, der Besen fegt.

 

 

 

und bei Hölderlin lese ich:

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

 

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